Die Legende von White Wolf Woman

 

 

Ein Mädchen ging auf ihren Weg zu ihrem erkrankten Freund durch den Wald.
Plötzlich hörte sie Hufgetrappel und danach nur noch das Geschepper ihrer Töpfe, die auf dem Boden zerbrachen. Jemand hatte sie in die Luft gehoben und trug sie fort  -  gekidnappt. Sie dachte, "Es muss einer der  Navajos sein, wie sie immer  Dörfer überfallen und  Frauen stehlen."
Er stoppte kurz, um sie zu binden und dann über ein anderes Pferd legen. Sie reisten die ganze Nacht lang und das Pferd  drückte ihren Körper, weil sie nur lag. Als die Sonne begann, ihren maletrierten  Körper zu peinigen, kamen sie in einem Dorf an. Sie wurde zu einem Platz gebracht, wo sie den restlichen Teil des Tages verschlief. In der Nacht betrat der Mann in sein Haus. Seine Frau war draußen und kochte  über den Feuer. Der Navajomann beugte sich sie, seine Frau brachte das essen herein, nahm ihr gerolltes Bettzeug und ging fort.
Für das Mädchen war die längste Nacht ihres Lebens.
Die folgende Nacht geschah das Gleiche. Danach  verließ sie die Hütte und blieb draußen stehen. Sie fand eine Decke und legte sich an das Feuer. Bevor die Sonne aufging, hörte sie einen Ton und wachte auf - es war die Frau-, in ihren Armen eine Decke, ein Bündel und einen Korb haltend. Die Navajofrau wies zur Sonne und gestekulierte mit ihren Händen. Das Mädchen verstand. Sie sollte die Sachen nehmen und weglaufen.
Sie lief und lief. Sie lief  den größten Teil des Morgens. Sie hatte in den letzten Tagen  nicht richtig gegessen und hatte großen Hunger und sie war verletzt und wurde müde. Dann kam sie an einen Wasserlauf mit kühlen reinem Wasser und entschied sich dafür, sich zu setzen und zu essen und zu trinken und sich auszuruhen. Im Bündel fand sie getrocknetes Fleisch und gebackenes Brot. Als sie fertig war, badete sie im Wasser  und ruhte sich aus. Und dann bei Einbruch der Nacht - begab sie sich wieder auf den Weg.
Sie lief im Mondlicht, und  bemerkte Dinge, die sie normalerweise nicht bemerken würde, und hörte Laute, die sie während des Tages niemals hörte. Sie erschrak. Dann rutschte sie auf einem Felsen aus und fiel einen Abhang hinunter. Nahe eines alten entwurzelten Baumes blieb sie liegen. Nachdem sie wieder zu sich gekommen war, grub sie sich mit ihren Händen im Laub ein, um bis Morgen auszuruhen. Sie erwachte, bevor die Sonne aufging und erschrak ............Sie fühlte, daß sie beobachtet wurde. Aber sie konnte niemanden sehen. Und das beunruhigte sie. Sie erhob sich und begann  zu laufen. Während des Laufens suchte sie nach Nahrung.
Aber sie konnte nichts finden, denn alle Beeren waren bereits von den Büschen gefallen und auch die Bäume hatten ihre Blätter verloren. Der Winter mit seinen kalten Nächten hatte bereits Einzug gehalten. Kalte Nordwinde brausten über das Land. Das Mädchen bibberte vor Kälte. Sie suchte einen Platz an einem Abhang aus und grub darin ein, um Schutz vor der Kälte zu finden. Mit der Decke hüllte sie sich ein.
In dieser Nacht fiel der erste Schnee und durchweichte ihre Decke. Halb erfroren erwachte sie und warf die Decke von sich. Sie sammelte auf, was sie konnte und setzte ihren Weg fort. Aber die Kälte, die Nässe und der Wind holten sie ein. Sie fiel zum Boden in einen tiefen, tiefen  Schlaf.

 

 

 

 

 ....tip,tap,tip,tap,tip,tap........... hörte sie das Geräusch von Pfoten, die durch den knirschenden Schnee liefen. Sie konnte ihre Augen nicht gleich öffnen. Eine weiße Nase schnupperte an ihrem Gesicht und ihrem Körper. Scharfe Zähne glänzten im Mondlicht, als der Weiße Wolf heulte.
Sie saß da und konnte sich nicht bewegen , geschweige denn davonzulaufen. Sie starrte auf  den Mond und die Sterne und begann, zum  Großen Geist  zu beten. Als sie fertig war, hörte sie Laute eines Wolfskampfes. Dann hörte sie einen anderen Laut, den sie nicht zu deuten wusste. Immer näher kam er. Sie wandte sich um, und sah den Wolf auf sich zukommen. Bei sich trug er seine Beute. Der Weiße Wolf kam zu ihr und drückte seine Schnauze fest gegen ihren Körper und schupste ein wenig - bis sie umfiel. Er zog dann den warmen Kadaver  über sie und begann daran knirschend zu kauen. Er legte kleine Fleischstücken in die Nähe ihres Mundes ~ Die Wärme des toten Tieres und sein Fleisch brachten sie ins Leben zurück. Als die Sonne aufging, lief der Wolf davon. Wieder bei Kräften, schob sie den  Kadaver von sich und begann wieder zu laufen.
Bald kam die Nacht und mit Nacht kam die kalte bittere Luft Und sie ließ sich zu Boden gleiten "Bis nach Hause ist es noch weit.", dachte sie verzweifelt.. Wieder fiel sie, wieder schrie sie, wieder betete sie, und wieder schlief sie ein., Als sie wieder erwachte, spürte sie wieder die Anwesenheit des Weißen Wolfes. Er legte sich auf sie, und sie fühlte die Wärme seines dicken Pelzes auf ihrer  zerrissenen  Kleidung. Sie schliefen.
Tagelang zogen sie gemeinsam durch die Wälder.. Bald konnte sie ihr Dorf sehen, und sie rief den  Männern die sich außerhalb des Dorfes befanden, zu. Sie richteten ihre Pfeile auf das Mädchen und ihren fremden Begleiter.
 Sie schrie, " NEIN - BITTE  NICHT-  dieser Wolf hat mich gerettet - hat er mein Leben gerettet. Ihr dürft ihn nicht  verletzen!! "
Die Männer kamen auf sie zu. Sie stand aufgerichtet, als sie sich ihr näherten. Der Weiße Wolf war verschwunden. Das Mädchen fiel zu Boden, als ob keine Knochen in ihrem Körper wären. Sie trugen sie in ihr Haus und legten sie dort auf den kalten, bloßen Fußboden. Sie verließen sie ohne ein Wort. Neben ihr auf dem Fußboden lag ihr Vater. Das Mädchen rief ihn. Er antwortete nicht. Der Lebensgeist hatte seinen Körper bereits verlassen.
 Das Haus hatte kahle Wände, gekehrte Fußböden. Die Mahlsteine, das zusammengerollte Bettzeug, die Körbe, alles war weg. Tränen füllten ihre Augen. Sie war nach Hause gekommen, aber in ein Todeshaus. Das Mädchen sammelte ihre Kräfte und erzählte den Leuten, was geschehen war. Aber die Leute sprachen nicht mit ihr. Sie ließen sie allein.
Mit blutenden Fingern grub sie Yuccawurzeln aus, um daraus Seife zu machen. Mit der zarten Hand einer Tochter wusch sie das Haar des Vaters und kleidete ihn an.
Sein Körper wurde von seiner zerbrechlichen Tochter vorsichtig gezogen.
Sie schleifte den Körper ihres Vaters durch das Dorf.
Die Leute sah zu. Sie sagten nichts. Der Körper des Vaters hinterließ seine Spur, bevor er auf der Klippe des Todes platziert wurde. Ein durchdringende, seelenvolle Stimme trug den Gebetssong auf die Reise; ein Gebet des Friedens wurde zu den Großen Geistern im Rauch eines einfachen Feuers gesandt; und in, von anderen ausgeborgten Beerdigungsschüsseln gab sie ihm Getreidemehl für eine sichere Reise mit.

Das leere Haus war nun ihr Zuhause. Manchmal wurde in der Nacht Nahrung an den Eingang gelegt. Aber keiner sprach mit ihr. Die Zeit verging. Das Mädchen wurde immer schwächer und sie spürte, dass es an der Zeit war, das Dorf für immer zu verlassen und zum Platz des Todes zu gehen.
Ihr Herz wusste, dass sie nie wieder in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden  würde. Sie würde von selbst gehen müssen.
So wusch sie ihr Haar mit Yuccaseife, zog ihr getragenes Lederkleid über ihren schwachen, knochigen Körper und versuchte aufzustehen. Sie konnte es nicht. Eher gleitend, schleifte sie ihren Körper aus der Tür, zum Weg, der aus dem Dorf führte.
Sie hob ihren Kopf. Das war ihr Dorf, ihr "Haus".
Die Leute stand abseits, beobachteten ihr, wie sie schlich.
Sie zog ihren zerbrechlichen Körper bis zum Hügel. Ihre Augen hatten noch Kraft. Sie drehte ihren Kopf. Ein Heulen echote heraus. Ein markerschütterndes Heulen hallte über das Land.
Das Heulen der Freiheit strömte von ihren Lippen als sich ihr Körper in einen Weißen Wolfs verwandelte. Ihre Beine wurden stark. Ihre Augen glühten silberblau. Mit großen Sprüngen rannte sie zu den Hügeln, in ihre Freiheit.

Heute steht manchmal eine Frau mit weißen, wehenden Haar auf den Höhen des White Wolf Woman - Canyons. Manchmal wird sie gesehen, wie sie sich in einen Weißen Wolf verwandelt. Viele, die ihren Weg verloren haben, finden dank ihrer Hilfe ihr Zuhause wieder.
Ihre Magie liegt in ihren großzügigen Geist und ihrer Freiheit.  

 

 

 

Deutsche Übersetzung © Copyright  von whitewolfwoman2@aim.com

 

 

 

 

 

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